Fördere Selbstregulation und Emotionsregulation im Alltag – Teil 1

Anregungen zur Förderung der Emotionsregulation und Selbstregulation für besseren Schulerfolg

Wie Du Selbstregulation und Emotionsregulation förderst und Deinen Kindern damit das Leben erleichterst

Dies ist ein weiterer Beitrag in der Serie zur Förderung des Schulerfolgs. Den Anfang der Serie findest Du hier: Mach Dein Kind stark für die Schule – welche Fähigkeiten ihm helfen können und wie Du sie förderst. Diese Serie ist sowohl für Eltern von Vorschulkindern gedacht, als auch schon beginnend für Kindergartenkinder. Auch für Schulkinder und Teenager sind jeweils Anregungen mit dabei.

Im letzen Beitrag ging es um die Förderung sprachlicher Kompetenzen: Durch Gespräche zu besserem Schulerfolg – Förderung sprachlicher Kompetenzen. Hier wird es nun um die Förderung der Selbstregulation und Emotionsregulation gehen.

 

Gibt es bei euch immer mal Wutanfälle? Hat Dein Kind Ängste, ist öfter traurig, frustriert oder eifersüchtig? Falls Du erfahren möchtest, wie Du ihm dabei jeweils am besten helfen kannst (vom Säugling bis zum Teenager), dann wäre mein Videokurs perfekt für Dich.

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Warum ich das hier schreibe? Wie Du siehst kommt dieser Blog ohne nervige Werbung aus, dafür mache ich aber auf meine eigenen Herzensprojekte aufmerksam und freue mich sehr, wenn Du Dich dafür interessierst 😉

 

Was ist Selbstregulation / Emotionsregulation?

Durch Selbstregulation können wir unsere eigenen Gefühle und unser Verhalten aktiv selbst regulieren. Kleine Kinder können das noch nicht selbst und lernen es erst Stück für Stück.

Ein Baby schreit z.B., um darauf aufmerksam zu machen, dass es sich gerade über etwas ärgert. Es besitzt also schon Gefühle, kann die aber noch nicht selbst regulieren (sich selbst aktiv beruhigen). Die Bezugspersonen (wir Eltern!) übernehmen stellvertretend die Emotionsregulation, indem wir das Kind trösten, eventuell ablenken und seinen Gefühlen einen Namen geben.

Damit ein Kind seine Gefühle zunehmend selbst erkennen und regulieren kann und nicht davon abhängig ist, dass jemand es wieder „runter bringt“, muss es Selbstkontrolle lernen. Als ersten Schritt lernt das Kind, die Gefühle zu benennen (siehe Greenberg, 2006). Dann weiß es irgendwann, dass es sich anders anfühlt, wenn man traurig ist, als wenn man wütend ist.

 

Die Sprache ist also unser Werkzeug, um Gefühle „unter Kontrolle“ zu bringen, sie bearbeiten (und eventuell auch umdeuten) zu können. Indem wir Gefühle mit Sprache verknüpfen und darüber reden können, machen wir sie kontrollierbarer und „bearbeitbar“.

Leider reifen gerade frontale Hirnregionen, die an der Selbstkontrolle von Emotionen und Verhalten beteiligt sind, sehr langsam. Einige sind sogar erst im Erwachsenenalter ausgereift.

Wenn das Kind zunehmend Selbstkontrolle lernt, dann kann es sie in manchen Situationen dann schon anwenden. So kann es z.B. mal kurz abwarten bis es das bekommt, was es möchte, ohne gleich auzurasten. In anderen Situationen reicht die Selbstregulation aber vielleicht noch nicht aus und das Kind wird von den Gefühlen geradezu überrollt. Ob die Selbstkontrolle ausreicht kann auch von der Tagesform, den vorherigen Erlebnissen am Tag und dem aktuellen körperlichen Zustand abhängig sein.

Wir Eltern kennen alle solche Situationen, in denen das gleiche Ereignis an einem Tag einen riesigen Wutanfall auslösen kann, während das Kind am anderen Tag darüber hinweg sieht und nicht groß darauf reagiert. Vielleicht hatte es an dem einen Tag nicht gut geschlafen, war gerade hungrig oder hatte sich vorher mit dem Freund gestritten? So dass nicht genug Ressourcen übrig waren zur Selbstkontrolle.

 

Verbessere die Selbstregulation und Gefühlsregulation Deiner Kinder im Alltag
Emotionsregulation und Selbstregulation verbessern durch Übungen im Alltag für Familien mit Vorschulkindern, Schulkindern und Teenagern

 

Warum ist Emotionsregulation wichtig?

Schulkindern hilft es enorm, wenn sie ihre Gefühle selbst regulieren können. Denn in der Schule ist es nötig, dass Kinder auch mal etwas machen, was ihnen gerade keine Freude macht. Dass sie trotzdem durchhalten, auch wenn sie lieber was anderes machen würden. Dazu müssen die Kinder lernen, auch mal etwas zu machen, obwohl ihre Gefühle eigentlich etwas anderes vorgeben. Sie müssen also „Herr ihrer Gefühle“ werden, um nicht nur lustgesteuert zu agieren. Wenn das Kind sich z.B. in der Pause mit einem anderen Kind gestritten hat und es dadurch nicht in der Lage ist, in der nachfolgenden Stunde etwas zu lernen, dann beeinträchtigt dies das Kind und schlussendlich auch seine Schulleistungen.

In einer Studie zeigte sich, dass Jungen mit schlechterer emotionaler Selbst-Regulation im Alter von 3,5 Jahren später eher durch Gleichaltrige abgelehnt wurden und eher durch antisoziales Verhalten im frühen Jugendalter auffielen (Trentacosta & Shaw, 2009). Kann das Kind sich schlechter selbst regulieren, wirkt sich das negativ auf sein Verhalten anderen gegenüber und auf seine Beziehungen zu anderen aus.

 

Wie lässt sich Emotionsregulation üben?

1. Schritt: Gefühle erkennen. Im ersten Schritt muss das Kind lernen, Gefühle zu erkennen. Bei sich selbst („wie hast Du Dich gefühlt?“) und bei anderen. Um die Gefühle anderer zu erkennen, hilft es uns, den Körperausdruck und das Verhalten zu beobachten.

Damit das Kind Gefühle benennen kann, müssen wir ihm beibringen, wie die einzelnen Gefühle heißen. Dazu müssen sie die Bezeichnung (z.B. Angst, Ekel…) mit etwas verknüpfen, das sie selbst fühlen und auch bei anderen beobachten können.

Dazu kann man auf verschiedene Aspekte achten: auf den Körperausdruck (Gestik/Mimik, z.B. „Du bist so traurig, dass Du ganz zusammengesunken da sitzt“), auf das Verhalten („nun hast Du so große Angst, dass Du wie erstarrt wirkst und Dich ganz wenig bewegst“) und auf die körperlichen Reaktionen (z.B. „Du hast Dich gerade so erschreckt, nun klopft Dein Herz ganz doll…“).

Es hilft den Kindern, wenn wir selbst unsere Gefühle benennen und dazu unseren Körperausdruck, unser Verhalten und die körperlichen Reaktionen beschreiben. Das hilft ihnen einerseits, da sie dadurch merken, dass mit ihnen nichts falsch ist, wenn sie (negative) Gefühle haben.

Sie lernen, dass auch Eltern manchmal wütend sind und man also nicht per se ein schlechter Mensch ist, wenn man wütend ist. Andererseits hilft es ihnen, ihre eigenen Körperreaktionen einzuordnen („oh, mein Herz klopft ganz doll, hab ich vielleicht Angst vor dem großen Hund da?“). Und es hilft ihnen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, in welchen Situationen man sich wie fühlen könnte.

Zusätzlich können sie mit dem Wissen über den Körperausdruck, das Verhalten und die körperlichen Reaktionen bei verschiedenen Gefühlen leichter erkennen, wie sich andere Menschen fühlen. Sie können also besser auf sie eingehen und auch Mitgefühl entwickeln („der sitzt da ganz zusammengesunken, vielleicht ist er traurig und ich könnte ihn aufmuntern?“).

 

Praktische Tipps: das Erkennen von Gefühlen fördern

  • Selbst öfter auch über den eigenen Körperausdruck, das Verhalten und körperliche Reaktionen bei den eigenen Gefühlen sprechen
  • Das Kind beobachten und ansprechen, wie man an seinem Körperausdruck, Verhalten und körperlichen Reaktionen das gerade wahrgenommene Gefühl bemerken kann
  • Mit dem Kind zusammen unterwegs die Gefühle anderer versuchen zu erkennen und zu überlegen, warum sich derjenige vielleicht so fühlen könnte
  • Auch in Wartezeiten oder auf Autofahrten kann man schön gemeinsam überlegen, wie genau denn jemand aussieht, der traurig, wütend, überrascht usw. ist. Oder man macht ein gemeinsames Pantomime-Spiel, in dem jeder abwechselnd ein Gefühl mit der Körperhaltung, Gestik und Mimik darstellt und die anderen raten, um welches Gefühl es geht.

 

Mein nächster Artikel erklärt den 2. Schritt, „Gefühle regulieren und kontrollieren lernen„.

Hier findest Du ihn: Fördere Selbstregulation und Emotionsregulation im Alltag – Teil 2

 

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Alles Liebe!
Daniela

 

 

Literatur:

Greenberg, M.T. (2006). Promoting resilience in children and youth: preventive interventions and their interface with neuroscience. Ann N Y Acad Sci. 1094, 139-150.

Trentacosta, C. J., & Shaw, D. S. (2009). Emotional self-regulation, peer rejection, and antisocial behavior: Developmental associations from early childhood to early adolescence. J Appl Dev Psychol, 30 (3), 356-365.

2 Kommentare zu „Fördere Selbstregulation und Emotionsregulation im Alltag – Teil 1“

  1. Thomas Gitzen

    Meine Frau und ich haben vor 8 Jahren ein Kind adoptiert. Wir haben unsere Tochter einen Tag nach der Geburt bei uns aufgenommen. Derzeit ist das Thema Wut sehr stark ausgeprägt bei unserer Tochter. Meine Frau und ich denken, wir hätten unserer Tochter immer Raum für Gefühle gegeben, aber leider spricht sie fast nie mit uns darüber. Gerne würde ich verstehen, was der Grund für das fehlende Vertrauen ist.

    1. Daniela Galashan

      Lieber Thomas,

      wie wunderbar, das ist eine starke Entscheidung, dass ihr sie bei euch aufgenommen habt!
      Ohne euch zu kennen ist es natürlich schwierig abzuschätzen was genau euch am besten helfen könnte. Jeder verarbeitet Gefühle etwas anders, vielleicht tendiert sie eher dazu, mehr mit sich auszumachen und es ist gar keine bewusste Entscheidung oder fehlendes Vertrauen.
      Um mehr darüber zu erfahren, wie Gefühle und gerade Wut im Körper wirken und wie man sie am besten verarbeiten kann, ist mein Kurs perfekt geeignet. Unter Eintragung in Interessenten-Liste kannst Du Dich für die Interessenten-Liste eintragen und wirst dann sofort informiert, wenn der Kurs wieder zum Verkauf steht. Mehr über den Kurs erfahren kannst Du hier: Für alle Eltern, die gerne besser mit kindlicher Angst, Wut, Frustration, Eifersucht und Traurigkeit umgehen wollen (vom Säugling bis zum Teenager)

      Ich schreibe Dir gleich noch eine E-Mail.
      Alles Liebe!
      Daniela

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