Fördere Selbstregulation und Gefühlsregulation im Alltag – Teil 2

Fördere Emotionsregulation, Selbstregulation und Gefühlsregulation Deiner Kinder - für Familien

Wie Dein Kind lernt, seine Gefühle zu kontrollieren

 

Herzlich Willkommen zum zweiten Teil über Selbstregulation und Gefühlsregulation!

Im ersten Teil (siehe hier: Fördere Selbstregulation und Emotionsregulation im Alltag – Teil 1) ging es darum, was Gefühlsregulation ist und warum sie wichtig ist. Praktische Anregungen zur Förderung der Emotionsregulation hatte ich am Ende aufgelistet, hier ging es allerdings nur um den 1. Schritt, das Erkennen der Gefühle. Dies ist die Grundvoraussetzung, die Gefühle dann auch kontrollieren zu lernen. Nun kommen die Anregungen zum 2. Schritt.

Wenn Dein Kind lernt, mit seinen Gefühlen umzugehen, fördert das seine psychische Gesundheit enorm.
Gibt es bei euch immer mal Wutanfälle? Hat Dein Kind Ängste, ist öfter traurig, frustriert oder eifersüchtig? Falls Du erfahren möchtest, wie Du ihm dabei jeweils am besten helfen kannst (vom Säugling bis zum Teenager), dann wäre mein Videokurs perfekt für Dich.

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Warum ich das hier schreibe? Wie Du siehst kommt dieser Blog ohne nervige Werbung aus, dafür mache ich aber auf meine eigenen Herzensprojekte aufmerksam und freue mich sehr, wenn Du Dich dafür interessierst 😉

 

2. Schritt: Gefühle kontrollieren und regulieren lernen

Dieser zweite Schritt hat es in sich, denn selbst viele Erwachsene haben Probleme mit der Regulation der eigenen Gefühle (ein klassisches Beispiel: der Chef, der wütend seinen Gefühlen freien Lauf lässt…).

Ein erster Schritt der Gefühlsregulation ist es, es zu schaffen, sich nicht von den Gefühlen überrollen zu lassen. Dazu ist es hilfreich, sich „STOPP!“ zu sagen, am besten tief einzuatmen und dann zu überlegen, wie man reagieren könnte.

Im Folgenden geht es natürlich hauptsächlich um die Regulation negativer Gefühle, bei positiven Gefühlen gibt es ja eher keinen Grund, die Gefühle kontrollieren zu müssen.

 

4 Arten der Gefühlsregulation

Laut Silkenbeumer und Kollegen (2016) können Gefühle auf 4 Arten reguliert werden:

1.)durch Ablenkung (damit andere Gefühle die unerwünschten Gefühle ersetzen, hierzu zählt auch das Verlassen der Situation). Achtung, bei dieser Strategie werden die Gefühle nicht bearbeitet, sondern man lenkt sich ab, um sie im Grunde zu verdrängen. Das kann bei kleinen Kindern oder bei sehr schlimmen Gefühlen hilfreich sein. Wird aber immer nur diese Strategie angewandt, dann ist es möglich, dass sich Gefühle „aufstauen“. So dass schlussendlich ein kleiner Auslöser ausreicht, um eine große Gefühlsflut auszulösen, die sich dann irgendwann nicht mehr einfach durch Ablenken verdrängen lässt. Auch wenn Du in einer bestimmten Situation vielleicht erst mal die Ablenkung einsetzt, um zunächst aus der Situation heraus zu kommen, ist es gerade bei größeren Kindern eine gute Idee, die Situation später nochmal zu besprechen. So dass es z.B. zu einer Neubewertung der Situation (siehe 2.) kommen kann. Oder dass man gemeinsam für das nächste Auftreten der Situation eine bessere Strategie sucht.

2.)durch Neubewertung (man interpretiert die Situation anders, was zu veränderten Gefühlen führt und auch dazu, dass man anders reagieren kann als man es vorher getan hätte).

3.)durch Beruhigung (hiermit wird die Intensität der Gefühle reduziert, z.B. Erwachsener: in den Arm nehmen, trösten, singen; Kind: Nähe suchen, Daumen lutschen, an den eigenen Haaren nesteln…).

4.)durch Reaktions-Modulation (mit dieser Strategie wird das eigene Verhalten angepasst, es wird also nicht automatisch reagiert, sondern bewusst, indem z.B. aufgestampft wird oder in ein Kissen gehauen, statt denjenigen zu hauen, der den Frust verursacht hat).

Diese 4 Möglichkeiten stehen uns also grundsätzlich zur Verfügung. Bei Kindern bestimmt auch das Temperament und der Entwicklungsstand mit, welche Strategie sinnvollerweise angewendet werden kann. Im Laufe ihrer Entwicklung müssen Kinder diese Strategien erst kennen lernen und dann Stück für Stück anwenden lernen.

 

Wie kann man Selbstregulation und Gefühlsregulation der Kinder fördern?

Durch die sogenannte Ko-Regulation. Hier kommen wir Eltern und alle anderen Bezugspersonen ins Spiel. Laut Silkenbeumer und Kollegen ist eine Ko-Regulation auf 3 Ebenen möglich:

1.)Die Bezugsperson reguliert die Gefühle für das Kind (indem sie es tröstet, ablenkt…),

2.)Die Bezugsperson leitet das Kind an, wie es seine Gefühle regulieren kann (sie schlägt eine Strategie vor zur Tröstung oder zum Ablenken wie z.B. „tief einatmen“ oder „vielleicht könntest Du stattdessen … tun, um Dich abzulenken“ und das Kind führt diese Strategie dann selbst aus),

3.)Die Bezugsperson ermutigt das Kind, selbst hilfreiche Strategien zu finden, um mit seiner Frustration umzugehen (das Kind wird also ko-reguliert durch meta-kognitive Anregungen, z.B. „Was könntest Du nun tun?“).

Bei Babys werden die Gefühle also zunächst hauptsächlich durch die Bezugspersonen reguliert, die entscheiden, welche Gefühle wie reguliert werden (trösten, beruhigen, ablenken…). Damit das Kind die Gefühlsregulation immer besser lernt, ist es wichtig, viel mit dem Kind darüber zu sprechen, welche Gefühle es gerade hat und wie man damit umgeht. Dies gilt auf allen 3 Stufen der Ko-Regulation und die praktischen Anregungen dazu finden sich hier: Fördere Selbstregulation und Emotionsregulation im Alltag – Teil 1.

Kleinkinder, die schon einfache Anweisungen verstehen, können von den Bezugspersonen immer mehr angeleitet werden, ihre Gefühle selbst zu regulieren (z.B. sich mit etwas anderem abzulenken; sich mit dem Kuscheltier zu beruhigen; an eine Regel zu denken, um das Verhalten zu verändern; eine andere Perspektive bieten zum Umdeuten der Situation „das andere Kind hat jetzt so lange gewartet und möchte auch gerne mit der Schaufel spielen“). Hierbei kann man damit anfangen, den Kindern z.B. 2 oder 3 mögliche Strategien vorzuschlagen und das Kind wählt daraus aus. Später kann das Kind dann selbst Ideen vorschlagen, wie es seine Gefühle bewältigen kann.

Durch die Anleitung durch Bezugspersonen erlernt das Kind ein Repertoire mit möglichen Verhaltensweisen und Routinen, wie man sich in verschiedenen Situationen verhalten sollte. Dadurch hat es mehrere und vor allem bessere Reaktionsmöglichkeiten zur Auswahl in einer Problemsituation. Zunehmend reifen auch seine frontalen Hirnareale, so dass die Selbstkontrolle immer besser klappt.

 

Verbessere die Selbstregulation und Gefühlsregulation Deiner Kinder im Alltag
Gefühlsregulation und Selbstregulation verbessern durch Übungen im Alltag für Familien mit Vorschulkindern, Schulkindern und Teenagern

 

Welche Strategie auswählen?

Ablenkung und Selbst-Beruhigung sind sehr gute Strategien für kleinere Kinder, um ihre Gefühle erstmal in den Griff zu kriegen. Ein Teenager, der z.B. grundsätzlich mit Ablenkung/Verlassen der Situation reagiert, hat es im sozialen Miteinander eher schwerer, als wenn er alters-entsprechend passendere Strategien beherrschen würde. Allerdings ist ein Verlassen der Situation natürlich immer noch besser als ein unkontrolliertes Ausrasten (den Gefühlen freien Lauf lassen). Eine gute Lösung kann das kurzzeitige Verlassen der Situation sein, wenn danach noch eine Auseinandersetzung mit der Situation erfolgt. So dass z.B. überlegt wird, wie man diese Situation im Nachhinein klären kann.

Ziel ist es eigentlich, dass das Kind mit zunehmendem Alter eher weniger Ablenkungs- und Beruhigungs-Strategien anwenden muss.

Es ist wichtig, dass wir Eltern negative Gefühle der Kinder grundsätzlich nicht herabsetzen oder herunterspielen („Nun stell dich nicht so an!“). Das Kind fühlt in diesem Moment so, sonst würde es sich nicht so verhalten. Und es schadet ihm, wenn ihm gesagt wird, dass es so nicht fühlen soll. Für seine Gefühle kann es ja nichts und wie man eine richtige Regulation der Gefühle lernt, dabei müssen wir ihm ja helfen und es dabei unterstützen.

Trotzdem kann man z.B. einem Kind im Vorschulalter sagen, dass dieser Ton nicht angemessen ist, wenn es quengelig rumheult (ohne triftigen Grund) und dass es bitte verständlich sagen soll, was es gerade beschäftigt oder wo sein Problem liegt, damit man es gemeinsam lösen kann.

 

Praktische Tipps: Gefühlsregulation fördern

  • Beobachte mal, welche Strategien Deine Kinder bei aufkommenden negativen Gefühlen von selbst schon anwenden? Welche Strategien könnten sie alters-entsprechend noch durch Deine Ko-Regulation lernen?
  • Zeige Deinen Kindern, was sie tun können, wenn sie sich von einem Gefühl überrannt fühlen. Oft hilft es, erst einmal inne zu halten. Vielleicht mögen sie selbst „STOPP!“ rufen? Einmal tief ein- und ausatmen? Oder langsam bis 10 zählen? Vielleicht erfindet ihr einen Reim oder ein lustiges „Codewort“, das Deine Kinder daran erinnert, erst einmal inne zu halten?
  • Zeige Deinen Kindern, wie sie nun mit dem Gefühl umgehen können. Ist es hilfreich, sich erst mal abzulenken? Wie kann das Kind sich selbst beruhigen? Könnte man die Situation durch Umdenken anders bewerten? Wie könnte man in der gleichen Situation anders reagieren? Hier kommt es sehr auf den Entwicklungsstand und das Temperament des Kindes an. Bei heftigen Wutanfällen werden z.B. schlichtweg die Teile des Gehirns, die für kognitive Kontrolle zuständig sind, von basaleren, für die Gefühlsverarbeitung zuständigen Hirnteilen „überstimmt“. Daher ist es dem Kind in diesem Moment nicht möglich, die Situation gedanklich neu zu bewerten und es kostet riesige Anstrengung, aus diesem Modus heraus zu kommen, um sich zu beruhigen und bewusst statt automatisch reagieren zu können. Können sich Kinder soweit sprachlich verständigen, dann kann man mit ihnen nach solch einem Wutanfall darüber reden und gemeinsam überlegen, was das Kind in dieser Situation beim nächsten Mal tun könnte. Ein paar Anregungen, z.B. zur Beruhigung, kann man ja in den Raum werfen, z.B. ein Kissen boxen, einen „Wut-Stein“ fest drücken (falls man davon ausgeht, dass das Kind ihn nicht werfen wird!), fest aufstampfen, einen Wut-Tanz machen, einmal kurz laut schreien oder Ähnliches.
  • Zur Strategie der „Reaktionsmodulation“ kann man mit den Kindern überlegen, wie sie anders reagieren könnten. Hierbei geht es um konkrete Verhaltensweisen, die besprochen werden, damit das Kind zunehmend immer mehr Verhaltens-Alternativen für verschiedene Situationen kennt, die es anwenden kann.
  • Am kompliziertesten sind für Kinder Umdeutungen der Situation (Strategie „Neubewertung“). Die kann man anregen mit Fragen wie: „Ist es tatsächlich so passiert? Wie würde X (andere beteiligte Person) denn die Situation beschreiben?“ oder „Wie könnte man diese Situation (anders) lösen?“. Hierbei geht es im Unterschied zur Reaktionsmodulation nicht um konkrete Verhaltensweisen, sondern um Lösungsmöglichkeiten wie: „wenn ich davon ausgehe, dass X nur einen stressigen Tag hatte, dann finde ich es nicht mehr so schlimm, dass er mich angemotzt hat“…

Wenn Du noch weitere Anregungen suchst, wie Dein Kind lernen kann sich selbst zu kontrollieren, dann schau Dir diesen tollen Beitrag von Snowqueen an: Wie Kinder lernen, ihre Impulse zu kontrollieren

Ich wünsche Dir und Deinen Kindern viel Spaß und Erfolg damit, neue Reaktionsmöglichkeiten zu finden um eure Gefühle zu regulieren.

Und in der Folge eine bessere Gefühlsregulation, die bei euch allen zu einem entspannteren Familienklima beiträgt!

 

Alles Liebe!

Daniela

Weiter geht es mit dem Artikel, der Dir hilft, Deinem Kind Neuanfänge, Umstellungen und Umbrüche zu erleichtern: Wie Dein Kind Umbrüche leichter meistert

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Literatur:

Silkenbeumer, J., Schiller, E.-M., Holodynski, M., & Kärtner, J. (2016). The role of co-regulation for the development of social-emotional competence. Journal of Self-Regulation and Regulation, 2, 17-31.

 

2 Kommentare zu „Fördere Selbstregulation und Gefühlsregulation im Alltag – Teil 2“

    1. Daniela Galashan

      Hallo Janine,

      wolltest Du noch mehr schreiben? Falls ja, dann versuche es ruhig nochmal.

      Alles Liebe!
      Daniela

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