Durch Gespräche zu besserem Schulerfolg – Förderung sprachlicher Kompetenzen

Sprachkompetenzen fördern für verschiedene Altersstufen nebenher im Alltag

Sprachliche Kompetenzen fördern für einen besseren Schulerfolg

 

Interessiert Dich, wie Du mit einfachen Übungen nebenher im Alltag sprachliche Kompetenzen fördern kannst? Mit voraussichtlich positiven Auswirkungen auf den Schulerfolg Deiner Kinder?

Falls ja, dann ist dieser Artikel was für Dich.

Mehrere Studien fanden, dass der Wortschatz eines Kindes mit 3 Jahren ein starker Prädiktor ist für seine zukünftigen Lese-Fähigkeiten in der 3. Klasse. Je größer der Wortschatz mit 3 Jahren war, desto besser war später die Lesefähigkeit in der Schule. * Und bessere Lese-Fähigkeiten wirken sich wiederum positiv auf den Schulerfolg aus, unter anderem weil in den höheren Klassen ein Großteil des Schulstoffs aus Lesematerial besteht.

 

Wie lernen Kinder Sprache? Nicht einfach durch das Hören von Gesprochenem!

Sondern durch Gespräche. Mit unseren Kindern Gespräche zu führen (bei denen beide abwechselnd etwas sagen und so aufeinander eingehen), hilft ihnen mehr als wenn sie möglichst viele Worte hören. Das zeigen Studien, die darauf hinweisen, dass Medien oder Sprache, die sich nicht direkt an das Kind richtet, keine positiven Auswirkungen haben auf lexikalische Fähigkeiten. * Es vergrößert den Wortschatz also nicht, wenn ein Kind vor dem Fernseher oder einem Hörbuch sitzt oder es den ganzen Tag zuhört, wenn Erwachsene reden.

 

Alltagstipps für besseren Schulerfolg und sprachliche Förderung für Kinder
Fördere sprachliche Kompetenzen für besseren Schulerfolg durch Gespräche

 

Zwei Faktoren, um den Wortschatz im Gespräch zu vergrößern

Zwei Faktoren führen dazu, dass Kinder im Gespräch besonders gut neue Worte lernen:

1.)wenn die Aussage des Erwachsenen zeitlich recht bald nach einer Aussage des Kindes kommt (enge zeitliche Verbindung) und

2.)wenn die Aussage des Erwachsenen sich inhaltlich auf die vorherige Aussage des Kindes bezieht (kontextuelle Relevanz). ***

Das bedeutet, dass kleine Kinder leichter neue Worte lernen, wenn wir mit ihnen in enger Interaktion stehen. Wenn wir also möglichst direkt nach ihren Äußerungen (auch wenn es vielleicht noch keine ganzen Sätze sind) etwas sagen, was sich auf ihre Äußerung bezieht. Auch wenn bei älteren Kindern vielleicht nicht der größere Wortschatz Ziel ist, so fühlen sie sich ernst genommen und beachtet, wenn wir direkt auf ihre Äußerungen eingehen (und nicht erst nachdem wir „noch kurz“ etwas auf dem Handy gemacht haben).

Gibt es bei euch immer mal Wutanfälle? Hat Dein Kind Ängste, ist öfter traurig, frustriert oder eifersüchtig? Falls Du darauf in Zukunft souverän reagieren möchtest und erfahren möchtest, wie Du ihm dabei jeweils am besten helfen kannst (vom Säugling bis zum Teenager), dann wäre mein Videokurs perfekt für Dich.
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Warum ich das hier schreibe? Wie Du siehst kommt dieser Blog ohne nervige Werbung aus, dafür mache ich aber auf meine eigenen Herzensprojekte aufmerksam und freue mich sehr, wenn Du Dich dafür interessierst 😉

 

Wie lassen sich sprachliche Kompetenzen von Kindern fördern?

Hier gibt es verschiedene Techniken, die sich in Studien als positiv erwiesen haben und Ideen zur Förderung von Kindern verschiedener Altersstufen. Die Techniken „geteilte Aufmerksamkeit“, „dialogisches Lesen“, „dekontextualisierte Sprache“ stelle ich nun vor und dann noch ein paar leichte Wortspiele.

 

Förderung durch geteilte Aufmerksamkeit

Gemeinsame Aufmerksamkeit teilen: Hierbei versucht man, das aufzugreifen, worauf Kinder gerade achten. Zusätzlich kann man den Kindern dann weitere Informationen dazu bieten, so dass sie zunehmend lernen, welche Worte welche Bedeutung haben. Bei kleinen Kindern z.B. „Oh, Du hast den Hund da hinten gesehen, der läuft ja schnell an der langen Leine. Nun bleibt er stehen und schnuppert an der Hecke…“.

Auch bei größeren Kindern ist es hilfreich, mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen, was sie gerade beschäftigt. Hierbei geht es nicht mehr nur um das, worauf sie gerade tatsächlich schauen, sondern auch das, was sie grundsätzlich gerade gedanklich beschäftigt. Also z.B. ihre Hobbies, ihre Freunde, Verabredungen, Aktivitäten…

Warum sollten Sie uns nicht mal detailliert erklären dürfen, wie das Computerspiel funktioniert, das sie aktuell gerne spielen und was genau sie daran so interessant finden oder was sie daran verbessern würden? Solche Gespräche, in denen sich das Kind als gleichwertigen Gesprächspartner erlebt, der etwas zum Gespräch beiträgt, fördern auch die Beziehung.

 

Abläufe kommentieren: Gerade kleineren Kindern hilft es, wenn man im Tagesablauf viel darüber erzählt, was gerade gemacht wird. Also z.B. beim Anziehen genau erzählt, was gerade passiert: „nun stecken wir Deinen Arm durch den Ärmel, wo ist die Hand denn nun…?“. Dabei bezieht man sich auch oft auf Tätigkeiten, auf die beide gerade ihre Aufmerksamkeit legen.

Bei größeren Kindern würde das wohl eher seltsam ankommen. Bei ihnen könnte man sich der Herausforderung stellen, zu versuchen, beim Beschreiben von Abläufen möglichst viele Worte zu verwenden, die man sonst nicht verwendet. Oder das Kind zu fragen, ob es z.B. weiß wie ein spezielles Wort für einen Vorgang heißt (z.B. „weißt Du, wie das heißt, was ich gerade mache mit den Kartoffeln?“ „Das heißt pürieren…“).

 

Förderung durch dialogisches Lesen

Gemeinsames Lesen und dabei miteinander im Gespräch sein (sogenanntes dialogisches Lesen) fördert sprachliche Kompetenzen. Wie sieht dialogisches Lesen aus? Indem man das Kind z.B. nach seiner Meinung fragt während man vorliest („Meinst Du, dass das eine gute Idee ist? Was könnte das Kind im Buch anders machen?“…). Die Fragen sollten offen gestellt sein, so dass nicht nur mit „ja“ oder „nein“ geantwortet werden kann.

Grundsätzlich sollten beim Lesen und bei der Buchauswahl Interessen des Kindes aufgegriffen werden. Und Themen ausgewählt werden, mit denen es sich gerne beschäftigt. Man spricht dann mit dem Kind zusammen über das Buch während man es vorliest, so dass sich Phasen des Vorlesens und Phasen des Gesprächs abwechseln.

Diese Technik ist sowohl für kleine Kinder anwendbar als auch für größere. Mit größeren Kindern kann man über mehrere Wochen Bücher wie z.B. Harry Potter lesen und zwischendurch darüber miteinander diskutieren. Zusätzlich üben sich Kinder im Gespräch mit uns im Argumentieren und im logischen Denken. Wir können ihnen Anregungen bieten, wenn wir z.B. auf Aspekte oder Zusammenhänge hinweisen, die sie vorher nicht im Blick hatten.

 

Förderung durch Wortspiele

  • Synonyme verwenden: verwende doch selbst öfter mal Synonyme zu den Worten, die Du häufig verwendest. So könntest Du z.B. mal „fantastisch“ sagen, wenn Du sonst oft „super“ verwendest oder „Möhre“ statt „Karotte“ (Socken/Strümpfe…). Das lässt sich auch schön als Spiel vorschlagen, dass jeder abwechselnd einen Begriff sagt und dann überlegt man gemeinsam, welche Begriffe einem einfallen, die die gleiche oder eine ähnliche Bedeutung haben. Das geht natürlich auch mit Verben. Und bietet sich besonders an, wenn solche Verben wie „machen“ oder „tun“ verwendet wurden. Dann kann man gemeinsam nach einem konkreteren und passenderen Verb suchen. (Also z.B.: „ich mach das mal weg“ mal durch “ich räume es weg“ ersetzen oder durch „ich lege es weg“, „ich entferne es vom Tisch“…). Das Spiel trainiert auch die Wortflüssigkeit und lässt sich nebenher im Alltag anwenden.
  • Gegenteile suchen: Jeder nennt abwechselnd ein Wort und dann überlegt ihr, wie das Gegenteil dazu heißt. Nach den klassischen Gegenteilen (schwarz/weiß, heiß/kalt usw.) könnt ihr auch kreativ werden. Was z.B. wäre ein mögliches Gegenteil von einem Blatt, einem Schulranzen oder einer Mauer? Und warum wäre das ein Gegenteil? Durch solche Fragen werden sowohl die Kreativität als auch das logische Schlussfolgern gefördert.

 

Förderung durch dekontextualisierte Sprache

Bei dekontextualisierter Sprache geht es um Sprache, die nicht an die aktuelle Umgebung gebunden ist (de-kontextualisiert, vom Kontext entknüpft). Um solche Aussagen zu verstehen muss das Kind in der Lage sein, abstrakt über etwas nachzudenken, das es gerade nicht sehen kann. Das müssen kleine Kinder erst lernen. Grundsätzlich ist es auch so, dass Eltern immer mehr dekontextualisierte Sprache verwenden, je größer die Kinder werden. Und was genau ist dekontextualisierte Sprache? Solche Sprachinhalte kommen z.B. vor, wenn man etwas erklärt, im Rollenspiel oder bei Kommentaren über Ereignisse in der Vergangenheit oder Zukunft. In Studien wurde gefunden, dass Kinder, mit denen öfter so gesprochen wird, ein größeres Vokabular haben und auch ein größeres Leseverständnis zeigen **. Dekontextualisierte Sprache trägt also schlussendlich zur besseren Lesefähigkeit der Kinder bei.

Solche dekontextualisierten Sprachgelegenheiten einzubinden, ist im Alltag einfach möglich:

  • 1.)durch Erklärungen (z.B. wie etwas funktioniert oder wenn das Kind „warum“ fragt. Oder indem man sich überlegt, worüber es etwas fragen könnte oder was es vielleicht noch nicht weiß),
  • 2.)durch Gespräche über vergangene Erlebnisse („Weißt Du noch…?“) und über zukünftige Ereignisse („Nächste Woche kommt Opa“…). Das kann man z.B. auch machen, indem man Verbindungen knüpft zur aktuellen Umgebung, gerade bei kleineren Kindern. Wenn man z.B. gerade ein Buch über ein Thema liest (z.B. Arztbesuch), kann man mit dem Kind über den letzten oder nächsten Arztbesuch sprechen. Oder man lässt das Kind beim Lesen Vermutungen anstellen, was im Buch davor passiert sein könnte oder danach passieren könnte. Es geht hier also um gedankliche Reisen in die Vergangenheit oder Zukunft (oder in Phantasiewelten wie beim Erdenken anderer Verläufe für Geschichten).
  • 3.)durch Rollenspiele mit dem Kind („so tun als ob“). Da kann man ganze Umgebungen gedanklich erfinden (wir sind jetzt im Restaurant, bei der Feuerwehr…) oder einzelne Gegenstände als etwas anderes verwenden („Der Baustein ist mein Telefon, ich rufe nun Oma an…“). Mit älteren Schulkindern oder Teenagern spielt man ja keine spielerischen Rollenspiele mehr, aber mit ihnen kann man gut über hypothetische Situationen sprechen und wie man sich dort verhalten könnte. Dabei lässt sich auch gut mit einbinden, welche möglichen Konsequenzen verschiedene Verhaltensweisen haben können. Ein Beispiel: „Wie verhält man sich eigentlich bei einem Vorstellungsgespräch zum Praktikum oder beim Zukunftstag in einem Unternehmen?“ Dazu kann man gemeinsam überlegen, welche Verhaltensweisen förderlich und welche hinderlich wären. Und wie man dem Verantwortlichen für die Platzvergabe gegenüber auftreten sollte. Oder wie verschiedene Verhaltensweisen nach außen wirken und wie das Gegenüber darauf reagieren könnte. Das wäre dann quasi eine Art „Rollenspiel in Gedanken“. Aber gerade für Bewerbungsgespräche und Ähnliches kann man auch zur Übung ein echtes Rollenspiel ausprobieren. Vielleicht auch mit dem Argument, dass erwachsene Redner ihre Vorträge ja auch üben, bevor sie vor Publikum sprechen.

Gute Anlässe für dekontextualisierte Sprache bieten sich z.B. während des Essens (über Vergangenes und Zukünftiges reden), beim Vorlesen und beim freien Geschichten erzählen. Aber auch in Wartezeiten oder beim Auto fahren kann man solche Gesprächsanlässe nebenher bieten.

 

Nun hast Du ein paar einfach anwendbare, wissenschaftlich bewährte Techniken kennen gelernt. Mit denen Du sprachliche Kompetenzen Deines Kindes vom Kleinkindalter bis zur Pubertät fördern kannst. Und nebenher förderst Du den Schulerfolg gleich mit.

 

Zusammenfassung

Sprachförderung für Kleinkinder:

  • an die 2 Faktoren denken (zeitlich direkt und inhaltlich auf ihre Äußerung bezogen antworten)
  • gemeinsame Aufmerksamkeit
  • Abläufe kommentieren
  • dialogisches Lesen (damit anfangen)

Für Kindergartenkinder und im Grundschulalter kommen folgende Techniken dazu:

  • dekontextualisierte Sprache (Erklärungen, Vergangenes/ Zukünftiges/ Vorgestelltes, Rollenspiele). Mit der dekontextualisierten Sprache kann auch schon im Kleinkindalter angefangen werden, um sprachliche Kompetenzen zu fördern.
  • Wortspiele

 

Gesprächswechsel wirken sich auf die Hirnaktivität aus

Eine kleine zusätzliche Motivation aus den Neurowissenschaften für mehr interaktive Gespräche mit Deinen Kindern: Kinder, die in Gesprächen mit ihren Eltern öfter mitreden durften (häufigerer Wechsel zwischen beiden Gesprächspartnern) zeigten im Kernspin-Tomographen stärkere Aktivierung in einem sprachverarbeitenden Hirnareal, wenn sie Geschichten hörten ***.

Du trägst also durch gemeinsame Gespräche dazu bei, das Gehirn Deines Kindes mit zu formen und förderst damit die Aktivität in sprachverarbeitenden Hirnarealen. Neben den positiven Effekten auf den Schulerfolg und auf andere Fertigkeiten wie z.B. die Lesefähigkeit. Eure Bindung wird natürlich auch nachhaltig gefördert durch Gespräche, in denen ihr euch wirklich austauscht.

 

Nun wünsche ich euch viel Freude bei schönen Gesprächen mit euren Kindern!

Alles Liebe!

 

Daniela

 

Hier ist der Anfang der Reihe „Wie Du Dein Kind stark machst für die Schule“: Mach Dein Kind stark für die Schule – welche Fähigkeiten ihm helfen können und wie Du sie förderst.

 

Den nächsten Artikel zum Thema Selbstregulation und Emotionsregulation findest Du hier – weil diese Fähigkeit bedeutend mit zum Schulerfolg der Kinder beiträgt: Fördere Selbstregulation und Emotionsregulation im Alltag – Teil 1.

 

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* Head Zauche, L., Mahoney, A. E. D., Thul, T. A., Zauche, M. S., Weldon, A. B., Stapel-Wax, J. L. (2017). The power of language nutrition for children’s brain development, health, and future academic achievement. Journal of Pediatric Health Care, 31 (4), 493-503.

** Rowe, M. (2013). Decontextualized Language Input and Preschoolers’ Vocabulary Development. Semin Speech Lang, 34 (04), 260–266.

*** Romeo, R. R., Leonard, J. A., Robinson, S. T., West, M. R., Mackey, A. P., Rowe, M. L., & Gabrieli, J. D. E. (2018). Beyond the 30-Million-Word Gap: Children’s Conversational Exposure Is Associated With Language-Related Brain Function. Psychological Science, 1-11.

1 Kommentar zu „Durch Gespräche zu besserem Schulerfolg – Förderung sprachlicher Kompetenzen“

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