Wert 3: Eigenständigkeit

Eigenständigkeit fördern durch Eltern

Wie Du die Eigenständigkeit Deiner Kinder förderst

Ist Dir die Eigenständigkeit Deiner Kinder wichtig? Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Dein Kind später von anderen darüber aufgeklärt werden müsste, wie man eine Waschmaschine oder einen Geschirrspüler benutzt? Wäre es Dir peinlich?

Oder wenn Du mitbekommst, dass Dein Kind als Praktikant (oder gar später im Job!) sein benutztes Geschirr einfach in die Spüle gestellt hat und davon ausging, dass es schon von jemandem abgespült werden würde anstatt es selbst abzuwaschen? Solche Praktikanten gibt es tatsächlich und es ist ihnen schon peinlich, wenn ihnen dann erklärt wird, dass sie ihr Geschirr selbst abwaschen müssen.

Ist es eins Deiner Ziele, Deine Kinder zur Eigenständigkeit zu erziehen? Falls ja, wie kannst Du das fördern? Lass uns zuerst schauen, wo Eigenständigkeit benötigt ist.

 

In welchen Bereichen ist Eigenständigkeit nötig?

Grob zusammengefasst betrifft es alle Bereiche, um die Du Dich als Erwachsener kümmern musst, um selbständig leben zu können.

Dazu musst Du Tätigkeiten im Haushalt verrichten können (z.B. aufräumen, putzen, Wäsche waschen…), Dich selbst mit Nahrung versorgen können (einkaufen, kochen). Außerdem musst Du in der Lage sein, Dich um Deinen Körper und die Körperhygiene zu kümmern (vom Anziehen und Duschen übers Haare kämmen bis hin zum Zähne putzen und Zehennägel schneiden) und im Normalfall sollte es Dir möglich sein, Deinen Lebensunterhalt zu bestreiten (Auto/öffentliche Verkehrsmittel fahren, kommunizieren mit anderen, sich an Absprachen und Termine halten, Entscheidungen treffen, aufgetragene Aufgaben erledigen können, Umgang mit Geld…).

Puh, das ist so gesehen ganz schön viel, das gelernt werden muss, um eigenständig leben zu können.

Lernt sich das nicht alles „nebenher“, im Alltag?

Idealerweise lernt sich vieles davon „nebenher“, aber es kommt natürlich auf die Alltags-Gestaltung an. Besteht der Großteil des Alltags aus Multimedia-Unterhaltung, die von der Couch aus konsumiert wird, oder aus „echten“ Erlebnissen? Und wie vielfältig sind die Erlebnisse? Ein Kind wird z.B. schwerlich kochen lernen, wenn das „Kochen“ in der Familie hauptsächlich aus dem Aufwärmen des Essens in der Mikrowelle besteht. Bei einigen Dingen ist es schon hilfreich, wenn wir Eltern den Kindern rechtzeitig zeigen und erklären, wie sie funktionieren. Wie z.B. das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln, das Kochen oder auch ganz banale Dinge, wie z.B. ein Geschenk einpacken.

 

Selbstbewusstsein durch Eigenständigkeit für Kinder und Familien
Eigenständigkeit und Selbständigkeit fördern bei Kindern

 

Ab wann sollte man die Eigenständigkeit fördern?

Meiner Meinung nach: so früh wie möglich. In kleinen, stetigen Schritten natürlich und in verschiedenen Bereichen. Auch ein Baby unter einem Jahr kann z.B. schon den Arm bewusst durch den Ärmel strecken, um einem beim Anziehen zu helfen, wenn man es ihm zeigt und es dann immer wieder darum bittet. Damit macht es den ersten Schritt, um sich das Oberteil später selbst anziehen zu können. Unsere Kleinste (16 Monate) brachte z.B. heute eine Plastikverpackung, die sie gefunden hatte, selbständig zum Plastikmüll und freute sich riesig, als wir ihr sagten, dass sie das gut weggeworfen hat (nein, Müll trennen kann sie noch nicht, sie bringt manchmal was dorthin und manchmal zu unserem Restmüll).

Natürlich geht es hier nicht darum, die Kinder zu trainieren, damit sie – überspitzt gesagt – möglichst schnell morgens allein aufstehen, sich anziehen und alleine frühstücken können, während wir ausschlafen können.

Nein, es geht um eine Begleitung des Kindes im Alltag, bei der das Kind immer mehr Tätigkeiten selbst übernehmen kann. Erst vielleicht nur in einzelnen Schritten, wie beim Durchstrecken des Arms durch den Ärmel. Später kann es das Oberteil schon selbst über den Kopf ziehen, bis dann das ganze Anziehen des Oberteils irgendwann gelingt. 

 

Wie wirkt sich Eigenständigkeit aus?

Oft sind gerade kleine Kinder geradezu begeistert, wenn sie den Eltern bei irgendeiner Tätigkeit „helfen“ dürfen. Und auch, wenn es viel länger dauert, mit dem kleinen Wirbelwind die Wäsche zusammen zu legen (und sie nachher nicht ganz so aussieht, wie man es gerne hätte), lohnt es sich! Einerseits lohnt es sich für die stetige Weiterentwicklung der Eigenständigkeit und andererseits auch für das Selbstbewusstsein Deines Kindes!

Wartest Du erst, um Deinem Kind später irgendwann mal die Tätigkeiten zu zeigen, bei denen es dann mithelfen soll, dann kann es passieren, dass Du schon zu spät dran bist. Mit etwas Pech ist das Kind dann gerade in einer Phase, in der es nicht mehr so gerne zuhören möchte, wenn Du ihm erklärst, wie es die Tätigkeit durchführen soll. Oder es sieht nicht ein, warum es diese Tätigkeit jetzt plötzlich übernehmen soll, wenn Du sie vorher ja auch immer übernommen hast.

Falls Du gerade denkst: „Aber momentan hat mein Kind so viel um die Ohren, da kann ich nicht noch mit Haushalts-Tätigkeiten, Kochen lernen, Nägel schneiden… kommen“, dann befürchte ich, dass diese Ausrede leider fast immer gilt. Erst muss Dein Kind sich in den Kindergarten einfinden, dann kommt das Vorschuljahr, als nächstes muss es sich in die Schule einfinden, dann hat es ein neues, forderndes Hobby, vielleicht Musikunterricht, plötzlich naht schon wieder das Ende der Grundschule, der Anfang der weiterführenden Schule, die bevorstehende Englischarbeit…

Wir selbst haben ja auch keine Zeit „übrig“ für den Haushalt und die Körperhygiene, sondern nehmen sie uns, weil es schlichtweg notwendige Tätigkeiten sind. Genau das sollten die Kinder lernen.

Daher bietet es sich an, die Begeisterung zu nutzen, die die meisten kleinen Kinder an den Tag legen, wenn sie mit den Eltern gemeinsam etwas tun können. Damit füllst Du sogar ihren Liebesspeicher, indem Du ihnen gemeinsame Zeit schenkst, die muss nämlich nicht aus Vorlesen oder Spielen bestehen. (Falls Dich interessiert, wie Du ihren Liebesspeicher noch füllen kannst, dann kannst Du hier darüber lesen: Lerne die fünf Sprachen der Liebe

Wer mehrere Kinder hat, der kann sogar den Vorteil nutzen, dass Kinder von anderen Kindern noch viel besser lernen (und sich von ihnen noch lieber etwas zeigen und erklären lassen). Zeigt das größere Kind dem kleineren Kind eine Tätigkeit, dann lernen beide dazu, einer als Lehrer und einer als Schüler. Beiden tut es gut für ihr Selbstbewusstsein und es schweißt sie zusammen, wenn sie nachher gemeinsam eine Tätigkeit erledigt haben.

Erziehung zur Eigenständigkeit fördert das Selbstbewusstsein, entlastet die Eltern und kann sogar den Liebesspeicher Deines Kindes auffüllen. Klick um zu Tweeten

Eigenständigkeit, Loslassen und Vertrauen

Eigenständigkeit hat natürlich auch etwas damit zu tun, die Kinder loslassen zu können. Denn das Ziel der Eigenständigkeit ist ja, dass das Kind selbständig agiert und uns Eltern immer weniger (und zum Schluss gar nicht mehr) braucht.

Klingt das für Dich schlimm, weil Du dann weniger gebraucht wirst? Oder kannst Du es nicht erwarten, dass Dein Kind immer eigenständiger wird und Dir damit auch wieder mehr Freiheiten entstehen?

Egal, ob die erste oder zweite Aussage auf Dich zutrifft, Deinem Kind tust Du einen Gefallen, wenn Du es zur Eigenständigkeit erziehst. Wir selbst wissen ja nicht, wie lange wir unsere Kinder auf ihrem Weg begleiten können, aber je selbständiger sie agieren können, desto eher werden sie es im Alltag auch ohne uns schaffen können. Ganz wichtig: hier geht es nicht um ihre Gefühle, die werden durch ihre Eigenständigkeit nicht weniger. Lieben und vermissen werden uns auch selbständige Kinder!

Damit Deine Kinder selbstbewusst immer eigenständiger werden können, hilft es ihnen, wenn sie spüren, dass Du ihnen das auch zutraust und dass Du ihnen und ihren Fähigkeiten vertraust. So stehen wir – vor allem, wenn die Kinder noch klein sind – neben ihnen und unterstützen sie darin, immer mehr selbst übernehmen zu können. So dass wir uns Stück für Stück mit unserer Unterstützung in den Hintergrund zurückziehen können.

Manchmal muss man zusätzlich zum Vertrauen auch ein bisschen hoffen, dass alles gut geht. So ging es mir z.B., als meine beiden Großen (nun 9 und fast 6 Jahre alt) zum ersten Mal komplett allein etwas gebacken haben und als meine Große meine eigene Nähmaschine zu ihrem Nähkurs mitnehmen musste. Bisher ging bei uns alles gut bei solchen Aktionen. Aber auch wenn Fehler entstehen, dann tröste Dich damit, dass wir alle ja aus Fehlern lernen und ihnen zumindest dieser Fehler wahrscheinlich nicht nochmal passieren wird.

 

Wie kann man Eigenständigkeit fördern?

Nun kommen ein paar praktische Tipps. Suche Dir am besten pro Tag eine oder zwei Tätigkeiten aus, in denen Du die Eigenständigkeit Deines Kindes fördern kannst, damit es in den nächsten 3 Tagen in diesem Bereich etwas mehr Eigenständigkeit entwickeln kann:

  • Überlege Dir den Tag über bei Tätigkeiten, die Du ausführst, ob Dein Kind das (oder Teile davon) auch schon kann.
  • Falls Du Dir unsicher bist: probier es zusammen mit Deinem Kind aus. Manchmal geht man davon aus, dass sie etwas schon können, wobei sie dann doch Probleme haben, wenn sie es allein durchführen sollen.
  • Kann das Kind Tätigkeiten noch nicht, zu denen es eigentlich in der Lage wäre, dann überlege Dir, wie und wann Du es dabei einbinden kannst.
  • Du kannst Dir auch einen Erinnerungszettel machen mit Sachen, die Du Deinem Kind zeigen und erklären oder mit ihm gemeinsam machen möchtest.
  • Überlege Dir, welche Tätigkeiten ein Kind seinem Geschwisterchen beibringen kann. Dann verteile die Aufgabe an sie und sei gespannt (aber immer eine Aufgabe nach der anderen, bitte nicht gleich mit einer ganzen Liste kommen!).

 

Viel Spaß beim Entdecken der Eigenständigkeit Deiner Kinder und Deiner neuen Freiräume, wenn einzelne Tätigkeiten nun nicht mehr von Dir übernommen werden müssen!

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Zum nächsten (vierten) Wert, Ehrlichkeit, geht es hier: Wert 4: Ehrlichkeit (Wie Deine Kinder Ehrlichkeit höher bewerten als Lügen

Selbständigkeit Familie Erziehung Eltern
Fördere die Eigenständigkeit deiner Kinder

 

Hast Du die Einführung in den Werte-Adventskalender für Eltern verpasst? Falls ja, dann findest Du sie hier: Einführung in den Werte-Adventskalender für Eltern

Hier kommst Du zum ersten Wert des Werte-Adventskalenders für Eltern (einfach auf die nachfolgende Schrift klicken): Wert 1: Lerne die fünf Sprachen der Liebe

Den zweiten Wert des Werte-Adventskalenders (Geduld) findest Du hier: Wert 2: Geduld

 

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9 Kommentare zu „Wert 3: Eigenständigkeit“

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  8. Meine Kleine lernt seit zwei Monaten auf einem Mietklavier das Spielen. Da sie unbedingt von einem Keyboard auf ein Klavier umsteigen wollte, muss sie das Piano regelmäßig putzen. Auch wenn es nicht ihr Eigentum ist, soll sie es wie ihr eigen behandeln. Das finde ich, fördert nicht nur die Eigenständigkeit, sondern auch den Begriff von Besitz. Danke für den Tipp, eine Tätigkeit dem Geschwisterchen beizubringen, um die Eigenständigkeit weiter zu fördern.

    1. Daniela Galashan

      Hallo Franziska!
      Gerne! Ich freue mich, wenn Dir meine Tipps helfen und drücke euch die Daumen, dass es beiden Geschwistern gut tut, wenn der eine den anderen anlernt!
      Das ist ja schön, dass Deine Kleine die Musik so mag und schon auf einem Klavier spielen darf! Ihr dann auch die Verantwortung fürs Putzen zu übergeben, finde ich eine gute Idee!

      Alles Liebe für euch!
      Daniela

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