Wenn Dein Kind hinfällt… was tun?

Was passiert, wenn Kinder hinfallen

Die große Frage: Panik oder „nicht so schlimm“, wenn Dein Kind hingefallen ist?

 

Jeder kennt die Situation auf dem Spielplatz. Ein Kind fällt hin und oft ist seine erste Reaktion ein Blick zu den Eltern. Warum? Um zu sehen, ob sie es mitbekommen haben und wie sie reagieren.
Nun kann die Reaktion der Eltern nach dem Hinfallen mit bestimmen, ob das Kind den Sturz als schlimm empfindet oder nicht.

Wichtig! Es geht hier nicht um Unfälle, bei denen das Kind schlimm verletzt wird, sondern um die üblichen, häufiger vorkommenden Stürze beim Hinfallen im Laufen oder aus niedriger Höhe.

 

Mögliche Reaktionen der Eltern nach dem Hinfallen

Diese 3 Reaktionsmöglichkeiten gibt es für uns Eltern:

Panik

Reagieren die Eltern panisch nach dem Hinfallen, rennen zum Kind und wollen sofort helfen, dann reagiert das Kind oft auch panischer als es sonst eigentlich reagiert hätte. Denn wenn die Eltern sich so verhalten, dann war es wohl doch schlimm, oder? Daraus kann sich dann ein eher panisches oder ängstliches Verhalten bei Verletzungen entwickeln, gelernt durch das Vorbild der Eltern.
Falls es fürs Kind tatsächlich nicht schlimm war, dann bemerkt es eine Diskrepanz zwischen der übertrieben Reaktion der Eltern und seinem eigenen Empfinden. Wenn das häufiger vorkommt, kann es dazu führen, dass entweder der Einschätzung der Eltern immer weniger vertraut wird oder dem eigenen Gefühl (wenn das Kind annimmt, dass die Eltern es wohl besser wissen als es selbst).

„Nicht so schlimm!“

Reagieren die Eltern nach dem Hinfallen ganz cool und winken ab mit einem „ist doch nicht so schlimm“, dann kommt es darauf an, was das Kind selbst empfindet.
Empfindet das Kind es doch als schlimm, dann kann es sein, dass es sich nicht ernst genommen fühlt in seinem Schmerz. Es könnte dann zum Übertreiben neigen, damit die Eltern ihm glauben, dass es wirklich weh tut. Oder es könnte anfangen, an seinen eigenen Empfindungen zu zweifeln. Weil wieder eine Diskrepanz entstanden ist zwischen dem eigenen Schmerzempfinden und der Einschätzung der Eltern.
Deckt sich die Einschätzung „nicht schlimm“ mit dem, was das Kind fühlt, dann kann der Sand abgeklopft werden und weiter geht’s.

Kurz abwarten

Hat das Kind sich wirklich weh getan, dann wird es seinen Schmerz wahrscheinlich zeigen (ich kenne aber auch Kinder, die meist einfach über ihren Schmerz hinweg gehen und weiter spielen, gerade wenn sie öfter die Erfahrung gemacht haben, dass ihre Schmerzen nicht ernst genommen wurden oder wenn sie so aufgeregt sind, dass sie den Schmerz erstmal gar nicht richtig spüren).

Du könntest Dein Kind also erstmal fragend anschauen. Vielleicht mit einem fragenden, vorsichtig unterstützenden Lächeln? Um dann schnell reagieren zu können, wenn es sich tatsächlich weh getan hat.

Oft ist es gar nicht die körperliche Verletzung an sich, die so schlimm war, sondern der Schreck, der noch in den Knochen sitzt. So dass ein weinendes Kind nicht automatisch ein verletztes Kind bedeutet. Aber in beiden Fällen brauchen gerade kleinere Kinder meist unsere Nähe und Unterstützung. Oft hilft es ihnen auch, wenn wir ihnen das spiegeln, indem wir formulieren, was eventuell das eigentliche Problem war. Zum Beispiel: „Ui, da hast Du Dich ganz doll erschreckt, oder?“ So eine Frage kann auch helfen, wenn das Kind noch unsicher schaut, weil es selbst nicht richtig weiß, ob es nun schlimm war oder nicht. Dann kann es sein, dass es das an der Reaktion der Eltern ablesen möchte. In diesem Fall würde ich erstmal auf den Schreck verweisen. Damit das Kind ein bisschen Zeit hat, um zu erspüren, ob ihm eigentlich etwas weh tut oder nicht.

 

Zusammenfassend kann man also sagen, dass sich die panische Reaktion der Eltern in allen Fällen negativ auswirkt. Die „nicht so schlimm“-Reaktion passt nur in den Fällen gut, in denen das Kind es tatsächlich nicht als so schlimm empfunden hat. Indem man kurz abwartet und die eigene Reaktion an der Reaktion des Kindes orientiert, kann man am besten genau auf das eingehen, was das Kind gerade braucht.

 

Bei Schmerzen ist Ablenken gut!

In Bezug auf Gefühle sage ich immer, dass es nicht gut ist, von unangenehmen Gefühlen abzulenken. Weil sie dann verdrängt werden können (siehe Warum verdrängte Gefühle gefährlich sind für Dein Kind – und für Dich!). Daher möchte ich hier klar stellen, dass das für Schmerzen nicht gilt! Es hilft Deinem Kind nicht, wenn Du ihm hilfst in sich rein zu spüren, um den Schmerz richtig zu fühlen. Bei Schmerzen ist Ablenken eine gute Strategie!

 

Zusatztipp: Schmerzen wegpusten

So pustest Du die Schmerzen weg: Du hältst Deinem Kind Deine offene Hand hin und Dein Kind legt die Schmerzen symbolisch hinein. Du kannst auch beide Hände wie eine offene Schale aneinander legen. Man kann dann manchmal ganz gut sehen wo und wie doll es dem Kind weh getan hat. Indem Du beobachtest, wo am Körper das Kind die Schmerzen her holt und wie oft es Schmerzen in Deine Hand legt. Dann könnt ihr zusammen die Schmerzen von der Hand weg pusten, am besten ganz weit weg. Einerseits ist Dein Kind damit etwas vom Schmerz abgelenkt, so dass er weniger präsent ist, andererseits kann es damit auch aktiv etwas dagegen tun und fühlt sich dadurch weniger ausgeliefert. Und zusätzlich kommt noch der Plazeboeffekt zur Hilfe.

Wichtig: Dein Kind muss sich so etwas Abstraktes auch schon vorstellen können, sonst überfordert man es damit nur. Bei unseren Kindern ging das in etwa mit 3 Jahren. Wahrscheinlich kannst Du am besten abschätzen, ob das schon hilfreich sein kann für Dein Kind oder noch nicht.

 

Weißt Du, wie Du bisher reagiert hast nach dem Hinfallen oder bei kleinen Stürzen? Natürlich spielt da auch ein bisschen das eigene Temperament mit rein. So wird jemand, der ängstlicher ist eher panischer reagieren als jemand, der eher weniger ängstlich ist. Aber unabhängig vom Temperament können wir uns auch bewusst machen, welche Reaktion unserem Kind am besten helfen kann. Und Schritt für Schritt lernen so zu reagieren.

 

Alles Liebe!

Daniela

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