Familienregeln einführen – und ihnen zum Erfolg verhelfen

Regeln für Familien festlegen und durchsetzen im Alltag

Wie Du eure Familienregeln einführst und dafür sorgst, dass sie euch auch helfen

 

Hier geht es darum, wie ihr eure Familienregeln einführen und umzusetzen könnt.

Mit Hilfe des letzten Beitrags der Serie zu den Familienregeln konntest Du EURE Familienregeln finden. Die genau zu euch passen und für euch aktuell am wichtigsten sind.

Falls Du eure wichtigsten Regeln noch nicht gefunden hast und dabei Unterstützung möchtest, dann klicke diesen Beitrag an: Wie Du die Familienregeln findest, die EUREN Alltag bedeutend erleichtern. Interessiert Dich grundsätzlich, warum und wie Familienregeln Dir und Deinem Kind helfen, dann klicke hier: Wie Familienregeln euch im Alltag helfen – Deinem Kind und euch als Familie.

 

Familientreffen zur Besprechung der Regeln

Um die Regeln zu besprechen und gemeinsam festzulegen, nehmt ihr euch am besten genügend Zeit zusammen. Auch wenn es vielleicht schlussendlich recht schnell geht, ein Termin im Nacken würde euch stressen und das würde sich auf die Stimmung auswirken. Der Stimmung hilft es sicher, wenn es etwas zu trinken und vielleicht noch was Leckeres zu knabbern gibt. Am besten etwas, was die Kinder gerne mögen und nicht so oft bekommen, das sorgt für eine gute Grundstimmung am Tisch. Je nach Alter der Kinder werden die Regeln entweder erklärt (bei kleineren Kindern) oder gemeinsam diskutiert (bei größeren Kindern).

Einen guten Einstieg kannst Du haben, indem Du erstmal erklärst, wie Du es Dir in eurer Familie wünscht (entspannter, freundlicher, aufgeräumter… je nachdem, was Deine im vorigen Schritt gefundenen Regeln sind). Dann kannst Du fragen, ob sich die anderen auch etwas davon wünschen? Ein chaotischer Typ wird sich wohl weniger nach Ordnung sehnen, aber vielleicht nach einem entspannten und freundlichen Umgangston? Gut wäre es, wenn Du es so formulieren kannst, dass Du erstmal ein „JA!“, also Zustimmung von den anderen Familienmitgliedern erhältst. Das erhöht Deine Chance, dass Deine Regeln positiv aufgenommen werden.

Dann kannst Du sagen, dass Du danach gesucht hast, was Dich am meisten stresst und ärgert und dass Du genau diese Punkte gerne ändern möchtest. Für ein entspannteres gemeinsames Familienleben. Betone dabei ruhig, wie sehr es Dir helfen würde, wie Du Dich aktuell mit dieser Situation fühlst und wie Du Dich fühlen würdest, wenn diese Punkte besser laufen als bisher. Dann kannst Du die Regeln (maximal 5!) zur Diskussion stellen (bei älteren Kindern) oder für kleinere Kinder beschreiben.

Tipp „Positiv formulieren“: gerade bei kleinen Kindern ist es wichtig, zu beschreiben, was (in welcher Situation) getan werden soll. Und nicht das, was nicht mehr getan werden soll! Also z.B. „nur Kuscheltiere beißen“ oder „lieb zu anderen sein“ statt „nicht beißen“. So wird die Aufmerksamkeit auf das positive Verhalten gelenkt. Wobei „lieb sein“ ja eher abstrakt ist und kein konkretes Verhalten angibt. Wir hatten uns dafür entschieden, unserer Kleinen zu sagen, dass sie nur Kuscheltiere beißen soll, als es Probleme in der Krippe gab mit dem Beißen und das klappte sehr gut.

Ideal ist, wenn das Kind mit der Regel eine Verhaltensaufforderung bekommt, an der es sich orientieren kann. Zum Beispiel: „beim Nachhausekommen Brotdose aus der Tasche packen und auf die Arbeitsplatte in der Küche legen“.

Grundsätzlich und altersunabhängig ist es immer hilfreich, eher positives als negatives Verhalten zu beschreiben (z.B. „wir kauen mit geschlossenem Mund“ statt „wir schmatzen nicht“). Damit hat man ein Bild vom zu erreichenden Ziel vor Augen. Bei negativen Formulierungen wird das Wörtchen „nicht“ leider oft nicht wahrgenommen oder überhört.

Infografik Regeln für Familien mit Kindern festlegen und durchsetzen
Infografik Familienregeln einführen für Eltern und Kinder Regeln festlegen

Rahmenbedingungen festlegen

Legt bei eurem Treffen gemeinsam fest, welche Regeln ihr erstmal angehen möchtet. Bei kleineren Kindern (unter 3) würde ich erstmal mit einer Regel anfangen und frühestens nach ein paar Tagen die nächste Regel dazu nehmen. Bei Kindergartenkindern kommt es ein bisschen darauf an, wie gut ihr Regelverständnis schon ist (und wie gut sie diskutieren können). Können sie schon richtig mitreden, dann würde ich auch Kinder ab 3 schon in die Diskussion einbeziehen. Und dann können es je nach Kind auch 2-3 Regeln auf einmal sein.

Zur Diskussion würde ich die Kinder erstmal fragen, was ihre Vorschläge dazu wären, dass die Regeln eingehalten werden können. Also „was kannst Du dafür tun, dass diese Regel eingehalten wird und was könnte ich dafür tun?“. Ob ihr das pauschal für alle Regeln gemeinsam diskutiert oder einzeln für jede Regel, kommt darauf an, wie es besser passt bei euch. Diese „Ideen zur Regeleinhaltung“ würde ich schriftlich festhalten.

 

Konsequenzen oder nicht?

Hier müsst ihr (zusammen oder als Eltern) entscheiden, ob ihr die Regeln erstmal so ausprobiert oder ob ihr gleich schon Konsequenzen festlegen möchtet. Unsere Regeln sind meist ohne Konsequenzen, dann wenn sie erstmalig aufgestellt werden auf jeden Fall. Im Idealfall reicht die Regel selbst aus.

Aber es gab auch schon mal ein paar Wochen lang bei uns die Regelung, dass derjenige, der die Zahnpasta-Tube offen lässt, einen kleinen (bei Eltern größeren) Betrag in unsere Kasse zahlen muss… Und schon hatte sich das „Problem“ des ständig verschwundenen Zahnpasta-Deckels schnell erledigt, was vorher lange nicht geklappt hatte.

Am besten funktioniert es, wenn die Konsequenz eine logische Folge ist, die sich aus der Nichtbefolgung der Regel ergibt. Zum Beispiel, wenn man den Spielplatz gemeinsam verlässt, weil das Kind ein anderes Kind gehauen hat statt freundlich mit ihm umzugehen, wie es die Regel besagte.

Oder man wählt eine „Wiedergutmachung“, z.B. dass man – wenn man einem Geschwisterchen weh getan hat – etwas tun muss, um es wieder gut zu machen (zusätzlich zur üblichen Entschuldigung). Hier müssen wir kleineren Kindern mit Ideenvorschlägen helfen. Größere Kinder können ja selbständig etwas basteln, eine Aufgabe des anderen übernehmen, etwas Freundliches sagen, eine Umarmung schenken…

 

Belohnung und ihre möglichen Folgen

Um eine Gewohnheit aufzubauen (wenn es dem Kind sehr schwer fällt) kannst Du überlegen, ob das Kind für das richtige Anwenden der Regel belohnt werden soll. Zum Beispiel mit einem Sticker oder Stempel am jeweiligen Tag auf dem Kalender oder einem Plan und nach X geschafften Tagen mit einer gemeinsamen Aktivität oder Ähnlichem.

Mit Belohnungen haben wir z.B. gearbeitet, als wir einer Tochter das leider sehr hartnäckige Daumenlutschen abgewöhnt haben. Da gab es jeden Abend einen Sticker auf ein großes Poster, wenn tagsüber nicht am Daumen genuckelt wurde und noch einen, wenn das Pflaster über Nacht dran blieb. Das sollte meiner Meinung nach aber eher die Ausnahme sein. Ich würde genau abwägen, ob es gar nicht anders geht. Denn Regeln sind ja dazu da, eingehalten zu werden und dafür ist eigentlich keine Belohnung vonnöten. Du möchtest ja vermeiden, dass Dein Kind Regeln grundsätzlich nur einhält, wenn es dafür was bekommt. Im Leben außerhalb eurer Familie bekäme es ein gewaltiges Problem mit dieser übertriebenen Anspruchshaltung. Gleich kommt noch der „Wertsteigerungs-Trick“.

 

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Der Wertsteigerungs-Trick

Um den Regeln noch mehr Wert zu verleihen und sie eindrücklicher zu machen, könnten sie auch als „Gesetze“ oder Ähnliches deklariert werden. Zum Beispiel mit eurem Familiennamen XXX als „XXX-Gesetze“ oder „XXX-Regeln“. Dann brauchst Du vielleicht nach dem nach Hause kommen nur zu fragen, ob ein XXX-Gesetz vergessen wurde und das Kind erinnert sich daran, die Sachen im Flur an ihren Platz zu räumen…

 

Regelverstöße – ich teste mal, wie ernst ihr es meint!

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Dein Kind durch Regelverstöße testen wird, ob es Dir ernst ist mit der neuen Regel und ob die vereinbarte Konsequenz eintritt, falls ihr eine vereinbart habt.

Das ist normal und passiert auch bei uns und in allen anderen Familien. Auch wenn es Nerven kostet, Dein Kind muss ja rausfinden, wo genau seine Grenzen liegen, welche Grenzen verschiebbar sind und welche nicht. Und dabei musst Du ihm helfen.

Tu Deinem Kind den Gefallen und verhalte Dich vorhersagbar, wie besprochen. Du zeigst ihm damit, dass Du gemeinsam Verabredetes ernst nimmst. Zusätzlich zeigst Du ihm damit auch, dass Du Dich selbst ernst nimmst, die Regeln wurden ja von Dir mit festgelegt!

Im Englischen heißt es so treffend „actions speak louder than words“ (Handlungen sprechen lauter als Worte). Und unsere Kinder messen uns tatsächlich an unseren Taten, nicht unseren Worten. Also zeige Deinem Kind, dass Du auch so handelst wie abgemacht. Damit vermittelst Du ihm, dass Du zu Deinem Wort stehst und es sich auf Dich verlassen kann.

 

Termin zur Prüfung

Probiert die festgelegten Regeln (mit ihren Konsequenzen) für 21 Tage aus. Dann habt ihr 3 Wochen, in denen die Regel zur Gewohnheit werden kann. Tragt dafür schon jetzt einen Termin zur Prüfung der Regeln in 21 Tagen im Kalender ein. An diesem Termin sprecht ihr nochmal darüber, ob es inzwischen gut geklappt hat mit der Regel-Einhaltung, oder ob ihr die Regeln oder deren Konsequenzen abändern wollt.

Und wenn ihr schon früher merkt, dass es gar nicht klappt? Dann diskutiert ihr eben schon früher darüber und sucht nach einer besseren Lösung.

Familienregeln festlegen und diskutieren für Familien mit Kindern
Wie Du Familienregeln einführen und durchsetzen kannst – für Eltern und Kinder

 

Nur keinen Stress!

Wichtig: es geht hier mit der Regelfindung um einen Prozess, kein Endresultat!

Ihr müsst nicht auf Anhieb die genau für euch perfekten Regeln mit den am besten funktionierenden Konsequenzen finden. Der Weg ist das Ziel! Ihr könnt bei Bedarf die Regeln oder Konsequenzen abändern, wenn sie nicht funktioniert haben. Nehmt euch mindestens eine Woche Zeit für eine Regel und gebt nicht beim ersten Missachten der Regeln auf.

Hier findest Du nochmal den Ablauf, mit dem Du die für euch besten Regeln findest: Wie Du die Familienregeln findest, die EUREN Alltag bedeutend erleichtern.

Es kommt auch mit auf Deine Haltung zu den Regeln an und Du trägst viel dazu bei, ob die Regeln ernst genommen werden oder nicht. Seh‘ es einfach als einen Versuch, euer Leben einfacher zu gestalten und ein paar wiederkehrende Konflikte zu reduzieren. Und wenn es nur für einen Teil der Regeln klappt und ihr die anderen nochmal abändern müsst, habt ihr trotzdem schon viel dazu gewonnen!

Zusätzlich gewinnt ihr viel durch den Prozess: die Kinder lernen, warum Regeln wichtig sind und wie man sie mitgestaltet. Natürlich üben die Kinder auch nebenbei Aspekte wie ihre Argumentationsfähigkeit, die Fähigkeit, Kompromisse zu finden, das Eingehen auf andere… Und von euch als Vorbild lernen sie, wie man zu seinem Wort steht, ehrlich seine Probleme formuliert und aktiv daran geht, sie Stück für Stück zu lösen.

Dabei wünsche ich euch viel Erfolg! Ihr werdet gemeinsam daran wachsen.

 

Fazit

Hier nochmal in Kürze der Ablauf zum Einführen der Familienregeln:

Familientreffen

  • Positive Atmosphäre (genug Zeit, Essen, Trinken)
  • Zunächst Zustimmung erhalten
  • Positiv formulierte Regeln (positives Verhalten)
  • Rahmenbedingungen festlegen: wie viele Regeln, Konsequenzen? Evtl. Belohnungen?

Wertsteigerungs-Trick anwenden

Auf Regelverstöße reagieren

  • Regelverstöße sind normal
  • Taten statt Worte

Termin zur Prüfung festlegen

 

Welche Regeln (und Konsequenzen) habt ihr festgelegt?

Und klappt es mit der Umsetzung?

Schreib mir gerne hier unten einen Kommentar zu einer oder beiden Fragen!

 

Alles Liebe!

Daniela

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