3 Fehler, die Eltern unbedacht machen und die Kindern schaden – Teil 1

Weniger Erziehungsfehler durchs Achten auf die Gefühle der Kinder

Diese 3 Erziehungsfehler kannst Du vermeiden im Umgang mit Deinen Kindern

 

Wir alle machen Fehler in der Erziehung. Das ist menschlich und geht auch gar nicht anders. Laut Familientherapeut Jesper Juul machen die besten ihm bekannten Eltern ca. 20 Erziehungsfehler am Tag. * Wohlgemerkt spricht er dabei von den besten Eltern! Wir dürfen uns also durchaus Erziehungsfehler zugestehen. Denn zum Glück sind Kinder recht fehlertolerant und finden sich trotzdem später gut im Leben zurecht.

Allerdings gibt es ein paar „Erziehungsfehler“, bei denen es gut wäre, sie möglichst zu vermeiden. Da man das ja nur kann, wenn man sie kennt, liste ich sie im Folgenden auf:

 

Erziehungsfehler 1: Die Gefühle der Kinder nicht ernst nehmen

Wie oft hören Kinder Aussagen wie: “hör auf zu weinen”, “ist doch nicht so schlimm”, “ein Indianer kennt keinen Schmerz” oder “man darf nicht wütend oder traurig sein”?

Das Kind fühlt in dem Moment aber so. Deswegen weint es, deswegen wütet es oder ist traurig. Solche Aussagen sagen dem Kind also, dass es so nicht fühlen darf, dass sein Gefühl falsch wäre. Das führt dazu, dass Kinder sich bei negativen Gefühlen noch schlechter fühlen als sowieso schon. Weil sie glauben, dass sie diese Gefühle nicht fühlen dürfen. Die natürliche Reaktion darauf: versuchen, die Gefühle zu verdrängen, denn sie sollten ja nicht da sein.

Aber verdrängte Gefühle sind wie ein Pulverfass. Sie sammeln sich an und irgendwann hat sich so viel angestaut, dass einem der Kragen platzt. Oft sogar bei einem eigentlich nichtigen Anlass. Dann „explodiert“ man plötzlich und meist in völlig unangemessener Intensität und kann selbst gar nicht genau erklären, was einen gerade so aufgeregt hat. Oder das Gefühl wird so gut und langfristig verdrängt, dass man es schlussendlich gar nicht mehr selbst fühlen kann. Das schränkt uns natürlich ein in unserem Erleben. Und das wollen wir für unsere Kinder vermeiden.

 

Was wir dagegen tun können

Wir können unseren Kindern helfen, indem wir ihre Gefühle anerkennen. Auch negative Gefühle. Das tun wir, indem wir sie auch negative Gefühle fühlen lassen. Und indem wir ihnen zeigen, dass auch negative Gefühle eine Berechtigung haben und wichtig sind in unserem Leben. Dass sie sich für die Gefühle an sich nicht schämen müssen. Außerdem ist es hilfreich, zwischen dem Gefühl und dem Verhalten zu unterscheiden. Sich zu ärgern und wütend zu werden ist völlig in Ordnung, andere zu hauen aber nicht. Also muss man als Lösung für dieses Gefühl ein passenderes Verhalten als Ausdrucksmöglichkeit finden, aber eben nicht das Gefühl an sich loswerden. Das negative Gefühl geht dann schon von allein, wenn es eine (hoffentlich passende) Ausdrucksmöglichkeit gefunden hat.

Eine weitere Möglichkeit, negative Gefühle anzuerkennen: Kindern auch mitteilen, wenn wir selbst z.B. Angst haben, wütend oder traurig sind.  Natürlich ihrem Entwicklungsstand angemessen. Ein Kleinkind oder Kindergartenkind darf durchaus wissen, dass seine Mutter sich über etwas geärgert hat. Aber dem Kind sein Herz auszuschütten über den Streit mit einer Freundin oder mit anderen Familienmitgliedern (Vater, Großeltern…) wäre völlig unangemessen. Oder ihm lang und breit von der eigenen Angst zu erzählen und damit womöglich das Kind zu verängstigen. Wenn man Kindern von den eigenen negativen Gefühlen erzählt, dann ist es hilfreich, auch aufzuzeigen, wie man sich selbst im Umgang mit diesen Gefühlen hilft. Also was man macht, damit man sich wieder besser fühlt.

 

 

Frage Dich:

  • Welche negativen Gefühle werden bei uns in der Familie eher verdrängt oder tot geschwiegen? War es schon in meiner Familie als Kind so? Oftmals gibt es in der Familie bestimmte Gefühle, die eher unterdrückt werden und die selten oder nie offen gelebt werden.
  • Welches Gefühl ist gerade bei meinem Kind Thema? Erkennen wir Eltern dieses Gefühl an (ohne komplett darauf zu fokussieren, es soll sich ja nicht alles um die Angst oder Wut drehen) und helfen wir unserem Kind bei der Verarbeitung?
  • Wie kann ich meinem Kind helfen, dieses Gefühl zu verarbeiten und gute Ausdrucksmöglichkeiten dafür zu finden?

Falls Du gerne konkrete Ideen und Tipps (psychologisch und neurowissenschaftlich fundiert) dafür hättest, wie Du Deinem Kind bei der Verarbeitung seiner Gefühlen helfen kannst, dann trage Dich hier ein in meine Interessenten-Liste zum bald kommenden Video-Kurs „intensive Gefühle bei Kindern“, damit Du den Kursstart nicht verpasst: Eintragung Interessenten-Liste.

Wie Eltern Erziehungsfehler vermeiden, die Kindern schaden
Erziehungsfehler vermeiden, durch Tipps, wie es besser geht für Familien

 

Erziehungsfehler 2: Kindern zu viel abnehmen

Hier geht es sowohl um Praktisches (anziehen, Tätigkeiten im Haushalt), als auch um anderes, wie z.B. die Freundschaften der Kinder. Vielen Eltern fällt es schwer, sich nicht immer in das Leben ihrer Kinder einzumischen und ihnen nicht immer alles abzunehmen. Auch wenn es um Kleinigkeiten geht.

Wir Erwachsenen haben so viel mehr Erfahrung als die Kinder und können Sachverhalte gut einschätzen, die unsere Kinder aufgrund ihres kognitiven Entwicklungsstandes und aufgrund fehlender Erfahrung noch nicht einschätzen können. Aber unsere Kinder lernen besser durch die Erfahrungen, die sie selbst machen dürfen. Und vor allem durch ihre eigenen Fehler. Je mehr die Eltern für ihr Kind regeln, desto mehr Selbstwirksamkeits-Erfahrungen rauben sie ihm damit. So schaden sie unbeabsichtigt dem Selbstbewusstsein des Kindes. Beim Kind entsteht das Gefühl, dass die Eltern ja wissen und einschätzen können, dass das Kind es noch nicht selbst kann. Denn sonst würden sie sich ja nicht einmischen oder die Lösung einer Situation übernehmen.
Die andere Seite der Medaille ist, dass du deinem Kind zu wenig zutraust, wenn du ihm viel abnimmst. Denn dann erlebst Du es als „kleiner“ und unselbständiger als es eigentlich sein könnte, wenn ihm mehr zugetraut werden würde.

Gerade die Mithilfe im Haushalt hat so viele positive Effekte, die Dein Kind in vielen Bereichen fördern und profitieren lassen.  Wenn Du darüber mehr erfahren willst, kannst Du hier weiter lesen: Wie Du Deine Kinder erfolgreicher machst und Dich gleichzeitig entlastest.

 

Was wir dagegen tun können

Beobachte, wo du dich selbst zurücknehmen kannst, damit dein Kind auch Misserfolge erleben darf.  Wenn du dein Kind im Umgang mit Misserfolgen begleitest und ihm beibringst, mit Misserfolgen umzugehen und schwierige Situationen zunehmend selbstständig zu lösen, dann hilft ihm das wesentlich mehr, als wenn du ihm hilfst, Misserfolge zu vermeiden oder schwierige Situationen für es klärst.

Es ist auch nicht schlimm, wenn dein Kind mal enttäuscht ist oder etwas nicht bekommt, was es wollte. Denn durch dieses Gefühl ist eine mächtige Lektion möglich: den Umgang damit zu lernen, das nicht alles immer so läuft wie man es gerne hätte. Hier kannst du am Denken des dynamischen Selbstbildes ansetzen und deinem Kind beibringen, wie hilfreich und wichtig Fehler und Misserfolge für uns sind. Wenn Du mehr zum dynamischen Selbstbild erfahren möchtest, dann findest Du hier einen Beitrag dazu: Wie Dein Kind ein „Gerne-Lerner“ statt eines Lern-Vermeiders wird (und Du auch!)

Außerdem wirkt noch ein weiterer Faktor mit rein: wenn wir Vertrauen in unsere Kinder haben und ihnen zutrauen, auch schwierige Situationen lösen zu können, gibt das ihnen Kraft und Vertrauen in sich selbst, so dass sie über sich hinaus wachsen und die Situation in vielen Fällen dann auch lösen können. Durch dieses eigenständige Bewältigen der Situation machen sie zusätzlich noch eine weitere Erfahrung, die ihren Selbstwert stärkt.

 

Fehler 3 beschreibe ich im nächsten Beitrag. Er wird dann hier verlinkt, sobald ich ihn geschrieben habe.

 

Ich hoffe, dass Dir diese Tipps helfen und freue mich über Dein Rückmeldung dazu, gerne hier als Kommentar.

 

Alles Liebe!

Daniela

* Quelle: https://www.morgenpost.de/familie/article104724324/Jesper-Juul-Selbst-die-besten-Eltern-machen-viele-Fehler.html

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